ÜBER DIESEN BLOG
Ein Grundverständnis für die häufigsten Augenerkrankungen soll durch das Stöbern in diesem Blog gewonnen werden. Aber auch unterschiedliche Phänomene einem unserer wichtigsten Sinne sollen hier verständlich gemacht werden. Weiter unten auf dieser Seite haben Sie auch die Möglichkeit, verschiedenste Verständnisfragen das Sehen und das Auge betreffend anonym zu stellen oder ein Kommentar zu hinterlassen. Ob wir die Fragen dann beantworten oder zu den Themen von besonderem Interesse einen neuen Blogbeitrag erstellen, bleibt zunächst offen. Individuelle Fallbesprechungen bleiben natürlich weiterhin ausschließlich der Sprechstunde in unserer Praxis vorbehalten. Bitte auch nicht für Terminangelegenheiten oder Ähnliches missbrauchen! Wird ignoriert werden!
Vielen Dank, dass Sie uns kontaktiert haben.
Frage:
Kann man durch die Abnehmspritze blind werden?
Antwort:
Zunächst mal bezieht sich diese Frage auf das Nebenwirkungsprofil eines Medikamentes, welches in der Ophthalmologie keine Anwendung findet. Daher sei an dieser Stelle grundsätzlich auf den verordnenden Arzt hingewiesen. Da wir aber nun auch neugierige Menschen sind, werfen wir mal einen Blick auf den Beipackzettel:
Ozempic - keine Nebenwirkungen mit direktem Augenbezug aufgeführt
Wegovy - Netzhauterkrankung bei Diabetes aufgeführt. Da diabetische Netzhautveränderungen noch viele Jahre nachhängend auftreten können, ist eine neu diagnostizierte diabetische Retinopathie natürlich auch nach Therapie mit diesem Medikament weiterhin möglich. Grundsätzlich ist eine diabetische Retinopathie eine der häufigsten Ursachen für Erblindung in Deutschland. Dieses Präparat kann hierfür aber anscheinend nicht verantwortlich gemacht werden, sondern die Erkrankung an sich.
Frage:
Würde bei einer nAION Erkrankung eine Eyetronik-Therapie dazu beitragen das Risiko einer Erkrankung auf dem anderen Auge zu dezimieren?
Antwort:
Die Eyetronic-Therapie gibt es wohl seit etwa 10 Jahren und sie soll den Sehnerv bei Schädigung durch Glaukom, Schlaganfällen und anderen Neuropathien stimulieren und so den Gesichtsfeldschaden verringern. Die Therapie basiert auf der Annahme, dass bei Schädigung einer Nervenzelle das Gewebe nicht immer vollständig zerstört wird. Außerdem erhofft man sich einen neuroprotektiven Effekt bei eher ungewisser Nachhaltigkeit. Die Therapie ist keine Kassenleistung und ist aus meiner Sicht, aufgrund der bisherigen Studienlage, eher als experimentell anzusehen.
Allerdings ist die bislang verfügbare Behandlung bei Sehnervenschaden einigermaßen armselig und kann nicht als zufriedenstellen angesehen werden. Beschränkt sich doch die Therapie des Glaukoms lediglich auf das Verlangsamen der Progression durch Drucksenkung, sowohl operativ als auch konservativ. Daher sind alternative Überlegungen in alle Richtungen grundsätzlich sinnvoll. Solange dem Patienten kein Schaden zugefügt wird, kann man sein Geld sicherlich auch sinnfreier ausgeben (ca. 4.000,- €). Als erwiesen sehen wir die Wirksamkeit dieser Therapie bislang jedoch nicht an und bieten diese auch nicht in unserer Praxis an.
Um die Frage zu beantworten: eher nein. Das „I“ bei nAION steht für „ischämisch“ und solange die Ursache des Schadens weiter besteht, kann meiner Ansicht nach selbst auch nur eine theoretisch angenommene Wirkweise der Therapie nicht greifen. Die Wahrscheinlichkeit am Partnerauge eine nAION zu erleiden liegt ohnehin nur bei 15% in 5 Jahren. Eine Neuroprotektion am Partnerauge im Zusammenhang mit der nAION wird also sehr theoretisch bleiben. Ich würde daher eher empfehlen sich auf die wichtigsten Risikofaktoren wie Blutdruck und Diabetes zu konzentrieren.
Frage:
Was ist von Augenmuskeltraining zur Abwendung von Seheinschränkungen in der Nähe zu halten?
Antwort:
Die Akkommodation ermöglich es uns Objekte in verschiedenen Entfernungen scharf zu sehen. Bei Fokus in die Nähe wirkt dabei ein zirkulär gespannter Muskel als Sphinkter und entspannt die Zonulafasern, wodurch die Linse dicker wird, damit stärker gekrümt ist und Objekte in der Nähe scharf gesehen werden. Mit zunehmendem Alter (meist etwa ab dem 40. Lj) verliert die Linse zunehmend diese Elastizität. Der Muskel spannt sich zwar weiter zirkulär an und die Zonulafasern entspannen sich dadurch weiter, jedoch kann sich die Linse zunehmend schlechter und langsamer entspannen. Wenn man jetzt lange durchgehend in die Nähe fokussiert, wird es anfänglich noch langsam schärfer. Schaut man jetzt aber in die Ferne, ist diese unscharf, da die Linse jetzt erneut lange braucht um wieder die ursprüngliche Form anzunehmen. Das Problem entsteht also nicht durch einen funktionseingeschränkten Muskel, sondern durch Elastizitätseinbußen der Linse. Diese Elastizitätseinbußen starten bereits bei Säuglingen, erreichen aber erst etwa ab dem 40. Lebensjahr ein Ausmaß, das in unserem Alltag relevant wird. Ein Augenmuskeltraining ändert daran also nichts. Es soll jedoch hilfreich sein, die Linse zu zwingen sich im noch möglichen Umfang zu verformen, um das Fortschreiten etwas zu verlangsamen. Dies erreicht man dadurch, dass man nur so viel in der Nähe durch eine Brille addiert, wie gerade noch erforderlich. Es darf also in der Nähe etwas anstrengend bleiben. Dennoch wird der Befund zunehmen, was von Zeit zu Zeit eine Additionsanpassung erforderlich machen wird.
Frage:
Bei meinem Kind hat sich laut unserem Augenarzt die Myopie innerhalb eines Jahres von -1,0 Dpt. auf -2,5 auf einem Auge und -3,25 auf dem anderen Auge verstärkt. In dem dort angeschlossenen Optikergeschäft wurden Myosmart DIMS Gläser zur Eindämmung der Myopiezunahme unter Verweis auf asiatische Studien vorgeschlagen. Wie stehen Sie dazu?
Antwort:
Die Ursache der Myopieprogression ist noch nicht gänzlich verstanden, weshalb man gerne die Fühler ausstreckt und nach neuen Therapieansätzen sucht. Bereits seit vielen Jahren oder gar Jahrzenten wird im asiatischen Raum, aber auch in Russland oder auch der Ukraine die Meinung vertreten, dass eine Myopie immer unterkorrigiert bleiben soll, um so die Progression einzudämmen. Wir sehen immer wieder Patienten aus diesen Ländern, die mit einem Visus von 0,6 oder weniger bedingt durch die Unterkorrektur durchs Leben gehen. Hier setzen auch die Myosmart DIMS Gläser an, mit dem Unterschied, dass zentral schon auskorrigiert wird und nach peripher absichtlich unterkorrigiert wird, um so eine Defokussierung zu erreichen. Die deutschen Fachgesellschaften folgen diesen Ansätzen bislang eher nicht und sehen eher das Potential der Myopiezunahme durch eine Deprivation. So sind Tierversuche bekannt, nach denen Mäuseaugen auf Defokussierung mit Längenwachstum reagiert haben und damit myoper wurden. Man spricht von einer Deprivationsmyopie. Einerseits widersprechen sich die beiden Ansätze. Andererseits versuchen offenbar auch die chinesischen Kollegen jetzt zumindest zentral doch auszukorrigieren und nähern sich damit kompromisssuchend unserem Verständnis von Myopie und Progression. Das letzte Wort ist hier also noch lange nicht gesprochen und das Thema bleibt sicher noch lange spannend. Speziell bei Kindern bleiben wir jedenfalls zunächst bei gelerntem und bewährtem: Zwei Stunden Aufenthalt im Freien mit gutem Licht und entspanntem Blick in die Ferne und eine korrekte Refraktion in Cycloplegie. Weiteres gibt die Evidenzlage aktuell aus meiner Sicht noch nicht her. Weiter geforscht werden sollte aber unbedingt und das würde ohne neue Ideen und Ansätze nicht funktionieren.
Frage:
Was halten Sie von atropinhaltigen Augentropfen als Dauermedikation zum Verlangsamen der Myopiezunahme bei Kindern?
Antwort:
Zunächst würde es sich dabei um eine off-label Therapie handeln, da in Deutschland hierfür keine Zulassung besteht. Die Kosten und ggf. das Risiko dieser Behandlung würde also der Patient tragen. Auch ist meines Wissens kein Präparat in Deutschland verfügbar, sodass die Atropinsulfat-Augentropfen 0,01% von einer Apotheke speziell hergestellt werden müssen. Hinzu kommt, dass die Evidenzlage aus meiner Sicht eher dürftig und teils widersprüchlich ist. Der Effekt zielt zum Teil auf eine Defokussierung, was auch zu einer Deprivationsmyopie beitragen kann. Bei einer leichten Weitstellung der Pupille durch das niedrigdosierte Atropin gelangt zwar etwas mehr Licht in das Auge, was einer Myopiezunahme grundsätzlich entgegenzuwirken scheint, jedoch hat ein Aufenthalt im Freien bei Tageslicht für ca. 2 Stunden täglich einen viel größeren Effekt in diesem Zusammenhang. Vorteil: keine Medikamente!